Der Herbert-Pichler-Inklusions-Medienpreis für exzellente Berichterstattung im Bereich der Inklusion wurde heuer zum fünften Mal verliehen.
Am 20. März 2026 fand im ORF-Mediencampus die feierliche Preisverleihung statt. (Siehe auch die Berichterstattung auf BIZEPS, Österreichischer Behindertenrat und kobinet-nachrichten)

Für den Preis wurden insgesamt 71 Beiträge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingereicht. Heuer wurden die Preise in folgenden Kategorien vergeben:
- Printmedien
- Fernsehen
- Radio sowie
- digitale Medien/Podcast

„Der Preis wurde vom Verein LICHT INS DUNKEL nach einer Idee der ORF-Redakteurin Mag. Čedomira Schlapper ins Leben gerufen. Er soll die großen Leistungen von Herbert Pichler, dem im April 2021 bei einem tragischen Unglück verstorbenen früheren Präsidenten des Österreichischen Behindertenrates, würdigen und die Aufmerksamkeit für das Thema Inklusion erhöhen“, gibt der Veranstalter – der Verein Licht ins Dunkel – bekannt.
Meine Laudatio an Mareike Müller:
Ich war auch heuer wieder Teil der Jury und hatte die ehrenvolle Aufgabe der deutschen Journalistin Mareike Müller für ihren Beitrag „Wir wollen mehr – Arbeit ohne Barrieren“ (ARD) einen Preis in der „Kategorie Fernsehen“ zu übergeben.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste und vor allem: Liebe Mareike Müller!
„Ganz ehrlich: Diesen Film wollte niemand haben. ‚Das will doch keiner sehen!‘ bekam ich zu hören.“
Mit diesem entwaffnenden Satz beginnt Ihre Dokumentation. Und ich bin ehrlich: Als ich anfing, die Sendung zu schauen, wusste ich nicht genau, worauf ich mich einlasse.
Doch je länger ich zusah, umso mehr hat mich dieser Film gepackt. Sie, liebe Frau Müller, haben sich zum Glück nicht beirren lassen.
Sie nähern sich dem Thema ganz bewusst aus der Ich-Perspektive, teilen Ihre eigenen Lernprozesse, Ihre Zweifel und auch Ihre ehrliche Empörung mit uns.
Genau dieser persönliche Faden zieht uns unweigerlich in Ihre eigene Erkenntnisreise hinein. Und diese Reise reißt uns aus der Komfortzone. Wir erfahren von Ausbeutung mitten in Deutschland: Menschen arbeiten in Werkstätten Vollzeit für 224 Euro im Monat – das sind 1,50 Euro pro Stunde.
Wir lernen das bittere Mantra des Systems kennen: „Einmal Werkstatt, immer Werkstatt.“
Nur verschwindend geringe 0,35 Prozent der Beschäftigten schaffen den Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Ein Werkstatt-Geschäftsführer bringt es im Film erschreckend ehrlich auf den Punkt: „Soziale Organisationen haben die Tendenz, sich zu erhalten.“
Uns als Jury hat tief beeindruckt, wie Sie das gängige Narrativ aufbrechen. Meist sehen wir in den Medien nur eindimensionale Bilder von dankbaren Werkstattbeschäftigten bei Bastelarbeiten. Ihr Film zeigt ein anderes, differenziertes Bild. Er zeigt junge, inklusiv aufgewachsene Menschen mit Behinderung, die von echter Arbeit und Teilhabe träumen.
Ein System aus Sonderstrukturen, Bürokratie und Vorurteilen zwingt sie, hart um ihr Recht auf Selbstbestimmung zu kämpfen. 16 Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK in Deutschland begegnen Sie diesen Menschen auf Augenhöhe.
Sie machen sie und ihre Anliegen sichtbar und beweisen: Inklusion darf nicht nur Thema für Menschen mit Behinderung bleiben. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Am Ende formulieren Sie einen Satz, der alles auf den Punkt bringt: „Barrierefreiheit und Inklusion waren für mich bisher nur Worte. Petra und Dirk haben mich gelehrt: Ich möchte meine Teilhabe nicht mehr ohne ihre denken.“
Liebe Frau Müller, danke für diesen Film, den angeblich „niemand haben wollte“. Wir alle brauchten ihn dringend. Herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Arbeit!
Hier kann man meine Laudatio auch anhören.

Der Film zum Nachsehen auf YouTube
Preisträger:innen und die Jury auf der Bühne:


